Friedrich Waldeyer

Elektromobilität – eine Revolution mit großen Chancen auch für Lippstadt

Friedrich Waldeyer, KFE Geschäftsführer
Friedrich Waldeyer, KFE Geschäftsführer

Südwestfalen ist mit 31.000 Beschäftigten Kernstandort der Autozulieferindustrie: Jeder sechste industriell Beschäftigte findet Arbeit bei den rund 500 Herstellern von Komponenten für Auto, Bahn, Luft- und Raumfahrt. Nicht von ungefähr entstehen derzeit zwei innovative Kompetenzzentren der Automobiltechnik in der Region: Das Automotive Center Südwestfalen (ACS) in Attendorn, wo Leichtbau und neue Werkstoffe erforscht werden und das Kompetenzzentrum Fahrzeugelektronik (KFE) in Lippstadt, das im Oktober an den Start gehen soll. Die Automobilindustrie setzt weltweit auf die Elektromobilität. Lippstadt erhält mit dem neuen KFE eine einmalige Einrichtung, in der Unternehmen gemeinsam mit Hochschulen unterschiedliche Umweltbedingungen simulieren können und die Autos der Zukunft erforschen und entwickeln. Elippse-Redakteurin Sabine Hense-Ferch sprach mit dem Geschäftsführer Friedrich Waldeyer.

Herr Waldeyer, Sie sind von der e-mobilen Zukunft überzeugt. Was bedeutet das für die Autozulieferindustrie in Südwestfalen?

Innerhalb der nächsten Jahrzehnte werden auf verschiedene Industriezweige rasante Änderungen zukommen: Auf die Werkzeugbauer ebenso wie die Metallgießer, die Karosseriebauer, Hersteller von Katalysatoren und Einspritzpumpen. Egal, ob wir Hybridvarianten oder Elektrofahrzeuge haben werden: Die Entwicklung im Auto geht zum Hochspannungsbordnetz, das neue Lösungen bei vielen anderen Komponenten des Fahrzeugs erfordert. Autos müssen leichter werden, brauchen andere Antriebe, Heizungen und Pumpen. Die Zulieferer müssen sich anpassen.

Können das denn alle?

Manchen Betrieben wird es leichter fallen, zum Beispiel den Herstellern von Lichttechnik, andere werden größere Schwierigkeiten haben, ich denke da an die Fahrzeugklimatisierung, an Motorblöcke, leichtere Karosserien, kleinere Getriebe. Einige Industriebetriebe müssen ihre Fähigkeiten möglicherweise in ganz andere Technologien einbringen, weil im Auto der Zukunft kein Platz mehr für sie ist, andere Industrien werden sich ganz neu etablieren, wenn sie innovative Produkte haben, die dann auch im Auto gefragt sind. Durch den radikalen Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor kommen neue Spieler auf den Markt.

Das klingt nach großen Umwälzungen. Wo sehen Sie die südwestfälische Automotive-Industrie denn nach dieser Revolution?

Die Revolution wird kommen. Und wir müssen zeitig anfangen und den Betrieben den Wechsel erklären, wir haben schließlich hochbefähigte Leute in Südwestfalen. Für viele ist das ein Schock, aber auch eine große Chance. Jetzt ist noch Zeit, sich anzupassen. Der metallverarbeitende Betrieb, der vorher Schalldämpfer gefertigt hat, der baut vielleicht später Gehäuse für Batterien. Wir müssen andere Produkte und Werkstoffe entwickeln. Wir als KFE wollen der heimischen Industrie die Unterstützung mit Laboreinrichtungen und Personal bieten, die dafür notwendig ist.

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