Die Teilnehmer der Radtour vor der Böbbinghof-Kapelle. Foto: Matthias Clauß

Stift Cappel seit 425 Jahren evangelisch – Teil 3: Die Radtour

Die Radtour in westlicher Richtung um das Stift Cappel bildete die dritte Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums – Elippse-Gastautorin Rita Maria Fust war dabei:

Den Startpunkt bildete das Münstersche Zollhaus, heute Hof Ense am Ortsausgang Cappel Richtung Liesborn. Siegfried Rafalzik berichtete: Die Glenne bildete seit altersher die Grenze zwischen Lipperland und Münsterland. Deshalb ließ der Fürstbischof von Münster dort, wo die von Lippstadt kommende Straße über die Brücke aus dem Gebiet des „hoch-adeligen Stiftes“ Cappel über die Glenne in das der Abtei Liesborn führte, ein Zollhaus errichten, damit hier die ihm zustehenden Gebühren vereinnahmt werden konnten.

Die Fuhrleute und wer sonst zollpflichtige Waren wegen am Übergang über die Glenne verweilen mußte, nannten den, der ihnen ihre Groschen und Heller abnahm, nicht mit Familiennamen; er war einfach der „Töllner“ oder der „Thollmann“, und unter diesem Namen finden sich dann auch Eintragungen in den Liesborner Kirchenbüchern. Und wie die Warten an den Wegen nach den Orten benannt wurden, wohin diese führten (Stirper, Erwitter, Kötter Warte), so hieß auch der Einnehmer an der Glenne, obwohl er im Auftrage des münsterischen Fürstbischofs Zölle erhob und das Haus noch im Liesbornischen lag, „Töllner zu Cappel“.

Die Teilnehmer der Radtour vor der Böbbinghof-Kapelle. Foto: Matthias Clauß
Die Teilnehmer der Radtour vor der Böbbinghof-Kapelle. Foto: Matthias Clauß

Die erste Rad-Etappe führte über die Göttinger Straße vorbei an der sogenannten Tegelerie (Ziegelei), heute Hof Teigeler, am Gut Deter, vormals Gut Nomekenhof bis zum Haus Herfeld.

Sachsenkriege oder Varusschlacht?
Laut Liesborner Heimatrecht, so erklärte Siegfried Rafalzik, könnte der Name Heerfeld mit einer Schlacht während der Sachsenkriege, die Karl der Große auch hier führte, zusammenhängen. Ebenso möglich sei, dass der Name Heerfeld auf die Varusschlacht zurückgehe. Nachgewiesen sei, dass in Anreppen ein Römerlager gewesen sei, dessen Versorgung mit Getreide über die Lippe getreidelt worden sei. Es gäbe die Vermutung, dass nahe des Hauses Heerfeld eine Lagerstätte oder Hafen gewesen sei.

Spätottonisches Werk in Benninghausen
Nächstes Ziel der Radtour war die Katholische Pfarrkirche St. Martin in Benninghausen. Das im Altarraum befindliche Kruzifix stammt aus dem 11. Jahrhundert und zählt zu den außergewöhnlichsten Christusbildern des hohen Mittelalters. Es orientiert sich trotz großer stilistischer Veränderungen deutlich an dem um 976 entstandenen Gerokreuz des Kölner Doms . Wann und woher aber der Kruzifixus in die erst 1240 als Zisterzienserinnenkloster gegründete Benninghauser Kirche gebracht wurde, ist unklar.
In der Hellinghäuser Kirche St. Clemens erzählte Siegfried Rafalzik die Geschichte „Das versteinerte Brot“: Die arme Schwester bat aus der Not heraus ihre reiche Schwester immer wieder um Brot für ihre Kinder. Als die reiche Schwester das Flehen der armem Schwester nicht mehr ertragen wollte und auch die Behauptung, kein Brot zu haben, nichts änderte, fluchte die Reiche, das Brot, das sie im Hause habe, solle zu Stein werden. Am nächsten Morgen war das Brot der reichen Schwester tatsächlich zu Stein geworden; sie stützte tot zu Boden.
In Erinnerung an diese Geschichte und als warnendes Beispiel liegt im Hochaltar der Hellinghäuser Kirche an einer eisernen Kette ein steinernes Brot.

Ausklang auf historischem Böbbinghof
Die letzte Etappe der Tour führte über die Lippe zum Böbbinghof, wo die Familie Hollenhorst die Radfahrer empfing. Bernd Hollenhorst berichtete, dass dieser Hof ganz früher zu Böbbinghusen gehört habe; dieses Dorf gäbe es nicht mehr, nur der Hof sei geblieben und habe sowohl die Soester Fehde als auch den Dreißigjährigen Krieg überstanden. Die Kapelle, in der Taufen und Hochzeiten der Familie stattfinden, gäbe es dem 15. Jahrhundert, urkundlich belegt sei sie seit 1770. Aus dem Jahr stamme auch die Glocke. Im Laufe der Zeit sei die Kapelle mehrmals abgerissen und wieder aufgebaut, zuletzt 1903. 1945 sei bei einer Plünderung alles verloren gegangen; das alte Messbuch, einen Engel und einen Kelch habe man später wiedergefunden. Früher habe der Böbbinghof zu Herringhausen gehört; dort habe man auch Familienmitglieder bestattet, letztmalig 1939.
Ein gemütliches Beisammensein auf dem historischen Böbbinghof mit Gegrilltem und Getränken bildete am frühen Abend den Abschluss der Radtour.

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