Eduard Bargheer im Evangelischen Krankenhaus Lippstadt

Bilder von Eduard Bargheer im Evangelischen Krankenhaus

Am 14.11. wurde im Evangelischen Krankenhaus eine Ausstellung mit Graphiken und Bildern des Künstlers Eduard Bargheer (1901 – 1979) eröffnet. Sie ist bis zum 31.02.2014 im Übergang des Evangelischen Krankenhauses zum Ärztehaus (am Empfang links) zu sehen.

Die Werke sind Teil der Sammlung von Dr. Gisbert König. Er hat uns folgende Erläuterung zur Ausstellung zur Verfügung gestellt, für die wir uns sehr herzlich bedanken.

„Manche bedeutende Künstler der Nachkriegszeit werden schnell wieder vergessen. Eduard Bargheer gehörte in den 50er Jahren zur künstlerischen Avantgarde. Er hat auf der ersten und der zweiten documenta in Kassel ausgestellt. Seine Bilder finden sich in namhaften Kunstgalerien des In- und Auslandes.

Bargheer kehrte 1939 Deutschland den Rücken und ließ sich in Forio d’Ischia nieder. Als der „pittore tedesco astratto“ lebte er mit den einfachen Arbeitern und Fischern zusammen. 1948 wurde er Ehrenbürger von Forio. Erst 1950 betrat er wieder deutschen Boden und seit 1953 lebte er abwechselnd im Sommer in Italien und im Winter in Hamburg.

Im Evangelischen Krankenhaus sind bis zum 31.1.2014 eine Reihe von seinen graphischen Arbeiten – Radierungen, Farblithographien und auch zwei Aquarelle – ausgestellt und öffentlich zugänglich.

Eduard Bargheer hat sich nach und nach alle wichtigen grafischen Techniken erarbeitet. Angefangen hat er mit Zeichnungen, dann kamen die Kaltnadelradierung und der Holzschnitt dazu, dann die Farbradierung und die Farblithografie.

Gelernt hat er durch zahlreiche Reisen nach Paris, Holland, Dänemark, England und Italien, um die Originale der alten Meister zu sehen und sich natürlich auch mit der zeitgenössischen Kunst (also dem, was für uns die „klassische Moderne“ ist) vertraut zu machen. Unverkennbar ist sein Drang in „das Land, wo die Zitronen blühen“, also nach Italien – später auch nach Nordafrika (Tunis, Marokko, Ägypten)und Griechenland.

Gelernt hat er also vor allem durch genaues Hinsehen und die Beobachtung seiner eigenen künstlerischen Verarbeitungsprozesse. Hierbei war ihm die Kommunikation mit Künstlerfreunden wie Rudolf Levy, Hans Purrmann und Werner Gilles wichtig.

Sein eigener Stil entwickelte sich Schritt um Schritt: anfänglich ganz im Stil des norddeutschen Spätexpressionismus. 1929/30 wurde er Mitglied der Hamburger Sezession, die sich 1933 wegen des Ausschlusses jüdischer Künstlerkollegen selbst auflöst, um einem politischen Verbot zuvor zu kommen.

Dem Mainstream der vollständigen Abstraktion hat sich Bargheer nicht angeschlossen. Sein Ausgangspunkt war immer die Gegenständlichkeit. So bleiben seine Bilder auch verständlich. – Freilich gibt es für Bargheer nicht „den Gegenstand“, sondern immer die unendliche Vielfalt der Aspekte – der Gegenstand bleibt bei ihm im wörtlichen Sinne „gegen-ständlich“: im Abendlicht ist er ein anderer als im Morgenlicht , je nach Perspektive und Blickwinkel ergibt sich ein völlig anderes Bild und jeweils einen neuen, anderen Bildzusammenhang. So gibt es nicht nur eine „südliche Stadt“, sondern die unzählige Varianten der südlichen Stadt: anders als Radierung, anders als Farbradierung und wieder anders als Lithographie oder Aquarell.

Nach Bargherr ist ein Kunstwerk nicht mehr (aber auch nicht weniger) als Hinweis auf eine höhere, sich ständige erneuernden Ordnung, die geheimnisvoll hinter jedem Ding steht. Aufgabe des Künstlers ist es, sich diesem Geist in Demut zu nähern, ihn in sich aufzunehmen und im Werk sichtbar zu machen: er hat den Herzschlag der Schöpfung zu bezeugen, an dem der Mensch nur einen geringen Anteil hat, sichtbar zu machen. “

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