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Herbert Ebersbach im Kunstmuesum Ahlen

Unter dem Titel „Anerkannt, verfemt, wiederentdeckt“ stellt das Kunstmuseum Ahlen bis zum 27.04.2014 Werke des Expressionisten Herbert Ebersbach (1902-1984) aus.

Mit ihm präsentiert das Kunstmuseum Ahlen einen Expressionisten der Zweiten Generation vor, dessen Werk noch der Entdeckung harrt. Anlässlich der Präsentation seines Werkverzeichnisses werden rund 100 Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus allen Phasen seines OEuvres im Altbau des Kunstmuseums präsentiert. Darunter befinden sich auch vier von insgesamt sechs Gemälden, die vor 1933 entstanden sind und vor der Zerstörung gerettet werden konnten, die Resultat der nationalsozialistischen Verfemung Ebersbachs war. Das Werkverzeichnis mit einer kunsthistorischen Einordnung von Dr. Christiane Reipschläger, Hamburg, erscheint im Verlauf der Ausstellung und wird zur Finissage am 27. April 2014 vorgelegt.

1902 geboren, gehört Herbert Ebersbach zu einer Generation deutscher Künstler, deren Lebenslauf durch zwei Weltkriege, vor allem durch die nationalsozialistische Diktatur geprägt war. Nach seiner Ausbildung an den Kunstakademien in Dresden und Düsseldorf konnte Ebersbach erste künstlerische Erfolge aufweisen, bevor sein Werdegang jäh unterbrochen wurde, als er zu Beginn des Dritten Reiches als Regimegegner über ein Jahr in einem Konzentrationslager interniert war. Nach seinem Umzug nach Bielefeld knüpfte er an sein expressionistisches Frühwerk an und schuf ein umfangreiches OEuvre. In bewusster Abgrenzung von den ungegenständlichen Tendenzen der Nachkriegszeit hielt er an einer figurativen Bildauffassung fest. Trotz unermüdlicher Schaffenskraft blieb Ebersbach eine künstlerische Würdigung zeitlebens verwehrt.

1920 begann Herbert Ebersbach ein Studium an der Dresdner Kunstakademie in der Klasse von Otto Gussmann, der im Geiste des Expressionismus unterrichtete. Mit Künstler-Kollegen wie Wilhelm Lachnit oder Otto Dix teilte Ebersbach das links-politische Engagement. Im Zentrum seines künstlerischen Interesses standen Darstellungen des Menschen, darunter berührende Kinderporträts, die Bezüge zu Edvard Munch aufweisen. 1926 zog es ihn für drei Jahre nach Düsseldorf, wo er seine Studien an der Kunstakademie fortsetzte und sich mit der Szene des Neuen Rheinlandes verband. Zurück in Dresden, konnte er sich als freischaffender Künstler etablieren und an zahlreichen Ausstellungen teilnehmen, bevor er 1933 von den Nationalsozialisten als entartet verfemt und verhaftet wurde.

Während Ebersbach 13 Monate im Konzentrationslager Burg Hohnstein verbrachte, zerstörte seine eigene Familie einen großen Teil seines Frühwerks von etwa 70 Ölgemälden. Anschließend zog er nach Bielefeld, wo er zunächst unbehelligt leben und arbeiten konnte. Nach ersten Selbstbildnissen entstanden vor allen Dingen expressive Landschaftsdarstellungen, mit denen er auch öffentlich Aufmerksamkeit erregen konnte; sein Gemälde „Sennelandschaft“ wurde 1936 vom Städtischen Kunsthaus angekauft. Ein Jahr später, im Jahr seiner Heirat mit Maria Elsa Diecke aus Brackwede, wurde das Bild jedoch im Zuge der Aktion „Entartete Kunst“ aus dem Museum entfernt. Von der Restriktion erneut betroffen, zog sich Ebersbach in die „innere Emigration“ zurück.

Nach Kriegsende begann Ebersbach wieder, sich an Ausstellungen in Bielefeld zu beteiligen. Er malte vor allem Bildnisse, Landschaften und Stillleben, wobei sein Stil überraschend konventionell ausfiel. Nach der Währungsreform konnte er einige Verkäufe tätigen und erhielt Aufträge für „Kunst am Bau“-Projekte. Im Zuge der Hinwendung zur Abstraktion in der Gegenwartskunst war es ihm jedoch nicht möglich, sich mit seiner Kunst durchzusetzen.

1960 konnte Ebersbach ein Atelierhaus im Teutoburger Wald beziehen. Es folgte eine intensive Auseinandersetzung mit der Natur, so dass in ungeheurer Produktivität stark farbige Landschaften und Blumenstillleben entstanden. Sie zeugen von einem virtuosen Farbempfinden, das Ebersbach in leuchtenden Kontrasten zum Ausdruck brachte. Zudem schuf er eine Reihe von Porträts, deren empfindsame Auffassung an die Bildnisse des Frühwerks anknüpft. Vom Aufschwung der Figuration durch die Generation der „Neuen Wilden“ konnte Herbert Ebersbach indes vor seinem Tod 1984 nicht mehr profitieren. Nach Ausstellungsbeteiligungen und kleineren Einzelausstellungen ist die Ahlener Schau die erste umfassende Präsentation seines OEuvres.

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