My Heimat Museum Abtei Liesborn 27

Wege der Erinnerung: „My Heimat“ 2014 – 2016

Das Museum Abtei Liesborn geht mit dem dem ersten Teil „Suche nach Wurzeln“ des Ausstellungsprojekts „My Heimat“ ganz neue Wege, allein schon durch den langen Zeitraum von drei Jahren und öffnet mit den gezeigten Werken Türen der Erinnerung.

Machen wir uns nichts vor: abseits der großen Häuser in Bielefeld, Essen oder Wuppertal mit ihren Zuschauermagneten hat es die Kunst vor Ort nicht leicht. Die Szene der Kunstkenner ist überschaubar. Die der Kunstbanausen hingegen nicht, deren Scherze sich überall gleichen: „Ist das Kunst, oder kann das weg?“, „Das hätte meine Nichte im Kindergarten ….“ Die Eintrittspreise sind so moderat, dass sich nicht mal deswegen eine gewisse Erhabenheit gegenüber den vorgenannten Scherzen einstellen will.

Mit „My Heimat“ ist am 11. Mai 2014 allerdings eine Ausstellung auf den Weg gebracht worden, die sich herkömmlicher Beurteilung, Fachsimpelei und auch banausiger Geringschätzung entzieht. Es wurden verschiedenste Künstler und Künstlerinnen des Kreiskunstvereins Beckum-Warendorf sowie Gäste eingeladen, Werke zum Thema „My Heimat“ einzureichen. Das gelang. Es wurden aber nicht Werke geliefert, sondern sehr persönliche Standpunkte, Aussagen, Geschichten und Mythen mit spektakulärer Bandbreite, deren Poesie berührt oder mindestens Interesse weckt.

Es erklären nicht nur Künstler sich selbst und ihre Geschichte mit der Heimat. Sie helfen, uns selbst auf die Spur zu kommen, lösen Erinnerungen aus und Querverbindungen. Z. B. ein verbranntes Buch. Es scheint, als sei der Brandgeruch zu riechen, aber das Werk ist in Plexiglas eingeschlossen. Unmöglich also, aber Erinnerungen und Bilder stellen sich trotzdem ein. Ein Gemälde zeigt den Umkleideraum einer Turnhalle aus den 70ern, mit diesen unverwechselbaren Fliesen, einer toten Fliege auf der Fensterbank. Wem kommen nun nicht Bilder von miefigen Turnhallen, blauen Matten und Hanfseilen in den Sinn? Ein längst vergessener gelungener Salto am Bock vielleicht oder ein viel zu schwerer Medizinball. Siege und Niederlagen. Ein hölzernes Boot finden wir: eine biblische Arche, ein Refugium für eigenen Schutz  – oder haben wir selbst schon mal jemanden mit ins Boot genommen?

Zuletzt sei vielleicht noch eine Birnbaum-Adaption erwähnt. Die sichtbaren Formen und und Projektionen eines Birnbaums mit seinem unverwechselbaren Habitus schaffen unverzügliche eine Verbindung zur heimatlichen Erinnerungen an eine rauhe Rinde, vielleicht eine Schaukel im großelterlichen Garten, Sonntag, Birnenkompott, Bienen.

So hat der Kunstverein Beckum Warendorf seine Künstler erfolgreich auf die Reise geschickt. Sie sind mit Fundstücken und Geschenken zurückgekommen und nehmen uns nun selbst mit auf Erkundungstour zu unseren eigenen Wurzeln: Dagebliebene und Migranten, Bürger und Heimatlose, Kenner und Banausen. Wir wünschen allen Besuchern Offenheit, Neugierde und viel Freude. Bei gutem Wetter nehmen Sie ruhig das Rad, oder den Bus hin und zu Fuß durch die Felder zurück. Zur Stärkung empfehlen wir das vorzüglich ausgestattete Museumscafé. Der Birnenkuchen war großartig!