Deutsch-niederländische Freundschaft - mal ganz persönlich: Trudy Tissen (links) und Ruth Krug.

Freundschaft kennt keine Grenzen

„Gleich zu Tagesbeginn erreicht sie eine überraschende Nachricht, die sie zunächst ins Grübeln bringen wird. Danach aber dürften sie den zu erwartenden Gewinn schnell erkennen.“ Als Ruth Krug vor einigen Tagen ihr Horoskop liest, misst sie ihm kaum Bedeutung bei. Aufgrund des regnerischen Wetters hat sie sich entschlossen, notwendigen Papierkram in Angriff zu nehmen, überraschende Nachrichten vermutet sie dabei nicht.
Doch dann erreicht sie ein Anruf aus dem Rathaus: „Trudy ist da!“ – und damit ist nicht nur die Überraschung perfekt, sondern auch der zu erwartende Gewinn eingetroffen. Denn: Ruth Krug aus Lippstadt und Trudy Tissen aus Uden verbindet seit vielen Jahren eine enge und sicherlich außergewöhnliche Freundschaft. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen im Jahr 1992. Ruth Krug nahm damals an einer Bürgerfahrt nach Uden teil. Beim Empfang im alten Udener Rathaus war auch Trudy Tissen, langjährige Schriftführerin der Udener Stichting Jumelage, dabei. Als Ruth Krug beim lockeren Gespräch mit der Verwaltungsspitze nach dem Ob und Wie der Gleichberechtigung in Uden fragt, wird schnell deutlich, dass sie damit nicht gerade das Lieblingsthema des damaligen Bürgermeisters angeschnitten hat. Aber ein aufmunterndes Zwinkern von Trudy Tissen stellt klar, dass ihr dieses Thema eher am Herzen liegt. Mit einem angeregten Gedankenaustausch im Anschluss an den Empfang begann so vor 22 Jahren eine Freundschaft über Grenzen hinweg, von den Niederlanden nach Deutschland, von Uden nach Lippstadt.
Dabei erscheinen die beiden Frauen auf den ersten Eindruck doch recht verschieden: Trudy Tissen ist eher zurückhaltend und ruhig, kennt sich aber bestens aus mit Handy, Computer und modernen Kommunikationsmitteln. Ruth Krug ist lebhaft und kontaktfreudig, pflegt aber noch immer den guten alten Terminkalender aus Papier. Aber es gibt eben auch viele gemeinsame Interessen, wie z. B. die aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklung im Nachbarland bzw. in der Partnerstadt, gemeinsame Reisen, der Austausch von Erfahrungen oder der Wunsch, sich selbst aktiv stark zu machen für Toleranz und Miteinander.

Deutsch-niederländische Freundschaft - mal ganz persönlich: Trudy Tissen (links) und Ruth Krug.
Deutsch-niederländische Freundschaft – mal ganz persönlich: Trudy Tissen (links) und Ruth Krug.

Alles in allem haben sich zwei vertraute Seelen getroffen, die über alle Sprachbarrieren und Entfernungen hinweg auf einer Wellenlänge schwimmen und die gemeinsamen Stunden genießen. Schon 1994 bei einem Besuch des Seniorenzentrums St.Jan in Uden schlägt Trudy Tissen ihrer Freundin vor: „Du, hier ist es schön, hier können wir zusammen einziehen, wenn wir mal alt sind!“.
Die Freundschaft ist entstanden durch die Städtepartnerschaft Lippstadt – Uden und sie belebt diese auch auf besondere Art und Weise. Weil sich Ruth Krug bei ihrer Freundin und in Uden so wohl fühlt, macht sie fleißig in Lippstadt Reklame für die Städtepartnerschaft und regt diverse Besuche nach Uden an. So führen Tagesfahrten u. a. die Hauswirtschaftsmeisterinnen und den Boule-Club in die Partnerstadt; diverse Gegenbesuche folgen.
Beide Frauen nutzen immer wieder gerne Vereins- und Bürgerfahrten, um sich in Uden oder Lippstadt zu treffen, aber auch zahlreiche Fahrten mit dem privaten PKW stehen an. Schon mehrfach haben Trudy Tissen und Ruth Krug auch gemeinsame Urlaube verbracht, u. a. eine Woche in den Niederlanden und einige Tage in Berlin. Mittlerweile scheuen beide davor, 230 Kilometer selbst am Steuer zu absolvieren, und sind daher umso mehr begeistert über jede Fahrt, die in die jeweilige Partnerstadt angeboten wird. Ob in Uden oder Lippstadt – bei der Ankunft des Busses stehen Ruth Krug oder Trudy Tissen fast immer zur Begrüßung bereit, um dann mit der Freundin einen geselligen Tag zu erleben – mit vielen Gesprächen und in großer Herzlichkeit.
Auch für die 28. Kalenderwoche war wieder ein solches Treffen geplant, allerdings war die Abstimmung dieses Mal nicht ganz optimal gelaufen. Denn Ruth Krug erwartete die Bürgerfahrt aus Uden erst fürs Wochenende; Trudy Tissen wiederum war überrascht, ihre Freundin nicht direkt vor dem Rathaus in die Arme schließen zu können. Doch dieses kleine Missverständnis war ganz schnell durch einen Anruf aus dem Rathaus aus der Welt geräumt und kaum zwanzig Minuten später stand einem gemeinsamen Tag in Lippstadt nichts mehr im Wege. Dabei wurde dieser Tag nicht allein zum Klönen, sondern auch für eine ganz persönliche Stadttour genutzt: Ruth Krug präsentierte ihrer Freundin u. a. die neue Unterführung am Südertor und natürlich auch den Campus der Hochschule.
Die Begegnung in Lippstadt soll keinesfalls das einzige Treffen in diesem Jahr bleiben; für den Herbst planen die beiden Freundinnen einen gemeinsamen Urlaub in Deutschland.