Kristina Dunker begeisterte 120 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule. Fotos: Sabine Hense-Ferch

Große Übertreibung von kleinen Gefühlen

Autorin Kristina Dunker zu Gast in der „Leselounge“ der Gesamtschule

Kristina Dunker begeisterte 120 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule. Fotos: Sabine Hense-Ferch
Kristina Dunker begeisterte 120 Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule. Fotos: Sabine Hense-Ferch

„Schreiben – das ist für mich eine große Übertreibung von kleinen Gefühlen. Wenn ich schreibe, dann denke ich mir Antworten auf die Frage aus: Was wäre wenn…?“, erklärte die bekannte Jugendbuchautorin Kristina Dunker auf die Frage einer Neuntklässlerin der Gesamtschule Lippstadt. In der Mediothek der Schule war die 38-jährige Schriftstellerin aus Castrop-Rauxel nämlich einige Tage vor Beginn der Herbstferien einen Vormittag lang zu Gast. Auf Einladung des Fördervereins las Kristina Dunker vor zwei Schülergruppen des neunten Jahrgangs aus ihrem Buch „Sommergewitter“. In dem Jugendroman geht es um das Verschwinden eines jungen Mädchens, das mit seinen Freunden einen Nachmittag am Baggersee verbracht hatte. Spannende, lustige und berührende Szenen trug die Autorin mit großem Engagement den Jugendlichen vor und schon nach wenigen Minuten verstummte auch das letzte Geraschel im Publikum: Die Autorin hatte die Schülerinnen und Schüler mit Ihrem lebendigen Vortrag gepackt.

Kann man vom Schreiben eigentlich leben?

Fast frei schilderte sie den Nachmittag am See, der die spannende Geschichte einläutete – ohne das Ende vorweg zu nehmen. Und so lautete denn auch nach der Lesung die erste Frage: „Wie sind Sie eigentlich auf diese Idee gekommen?“ Sie sei selbst als Jugendliche oft zum Baden an einen See gefahren. Auch dort habe eine ähnlich unheimliche Atmosphäre geherrscht wie in der Geschichte. Und man sei als Mädchen auch nie allein dorthin gefahren, erinnerte die bekannte Autorin sich. Überhaupt stellte sich Dunker sehr offen den neugierigen Schülerfragen: Ob sie schon immer gewusst habe, dass sie

"Sommergewitter" ist eines der erfolgreichsten Bücher der Schriftstellerin aus Castrop-Rauxel.
„Sommergewitter“ ist eines der erfolgreichsten Bücher der Schriftstellerin aus Castrop-Rauxel.

Autorin werden wolle? Was sie gegen Schreibblockaden tue und ob sie sich vorher einen genauen Plan mache, wenn Sie ein Buch schreibe? Ob sie damit Ihren Lebensunterhalt verdiene und wieviel Geld man damit verdienen könne, wollten die Schüler wissen. Und wie lange man denn brauche, um ein Buch zu schreiben? „Ich brauche etwa ein Jahr für ein Buch. Das schwierigste am Schreiben ist eigentlich nicht das Schreiben selbst, sondern die Technik, wie man es schafft, eine Geschichte über 160 Seiten lang spannend zu halten. Das sei extrem schwierig. Das Schreiben selbst sei dann, wenn das Konzept stehe, eigentlich nur noch wie Abschreiben, so Dunker.

Roman wird demnächst verfilmt

Dass ihr das dennoch hervorragend gelingt, zeigen die Erfolge: Inzwischen kann Kristina Dunker, deren Bücher u.a. im dtv erscheinen, auf eine stolze Bilanz von 25 Büchern blicken. Ihr erstes Buch habe sie mit 17 Jahren geschrieben – wie es dazu kam, verriet sie ebenfalls den jungen Zuhörern: „Ich war mit meinen Eltern im Urlaub in den Alpen, wollte aber viel lieber mit meinen Freunden ans Meer fahren. Da habe ich mich dann hingesetzt und mir Geschichten ausgedacht, die ich mit meinen Freunden erlebe. Am Ende des Urlaubs waren sieben Schulhefte voll. Und meine Freunde von der Geschichte so begeistert, dass sich mich ermutigten, mich bei einem Verlag zu bewerben“.

Die meisten ihrer Bücher sind Jugendbücher, auch einige Kinder- und Bilderbücher hat sie inzwischen veröffentlicht. Ihre Themen entspringen der Welt ihrer jungen Leser: Mobbing, erste Liebe, Gewalt, ungewollte Schwangerschaft, Mutproben. „Sommergewitter“ – das Buch, aus dem sie den Neuntklässlern der Gesamtschule vortrug – ist im deutschsprachigen Raum inzwischen 80.000 mal verkauft worden und wurde auch

Die Jugendlichen hatte viele Fragen an die Autorin.
Die Jugendlichen hatte viele Fragen an die Autorin.

ins Englische übersetzt. Und ein Regisseur habe bereits angefragt, da man überlege, daraus ein Drehbuch zu machen, verriet die Schriftstellerin. Und wie die Geschichte denn zu Ende gehe, wollten noch die Schüler wissen. „Das könnt Ihr am besten selbst nachlesen, denn das Buch steht ja in Eurer Mediothek zur Ausleihe“, so Dunker. Die Mediothek der Gesamtschule, von den Schülern „Leselounge“ getauft, ist vor rund zwei Jahren mit einem Anfangsbestand von 800 Medien eröffnet worden und seitdem kontinuierlich angewachsen. Sie wird von Eltern und Lehrern ehrenamtlich betreut.

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