Maria Massida

Eine ernste Sache: Integration in Lippstadt

Maria Massidda
Maria Massidda

Beitrag von Maria Massidda. Sie ist Mitglied des 15-köpfigen Integrationsrates der Stadt Lippstadt und schildert in diesem Beitrag ihre persönlichen Eindrücke von der Sitzung am 18.11.2014

Hintergrund ist außerdem ein Bericht im Lippstädter Patriot vom 19.11.2014:
http://www.derpatriot.de/Integration-ohne-Inhalte—43bf3c5d-1360-478d-b11b-5550acef83c1-ds


„Wir haben in der letzten Sitzung des Integrationsrates – hier arbeiten Migrantenvertreter mit Ratsmitgliedern auf Augenhöhe zusammen – am 18. November unter anderem den Antrag gestellt, der Integrationsrat möge sechs Mal im Jahr zusammenkommen statt wie bisher nur vier Mal. Dieser Antrag wurde von der Mehrheit der Anwesenden abgelehnt, was wir – das sind neben mir noch die Mitglieder Yasar Yazici und Radoslav Djukic – sehr bedauern.

Mit diesem Antrag wollten wir zum Ausdruck bringen, dass wir das Thema Integration für ein besonders wichtiges gesellschaftliches Thema halten, das eine größere Aufmerksamkeit in der Stadt verdient, angesichts der Tatsache, dass etwa 20 Prozent der Bevölkerung Lippstadts einen Migrationshintergrund haben. Es ist durchaus sinnvoll, in der zweiten Sitzung des neuen Integrationsrates, also zu Beginn unserer langen Wahlperiode, über Strukturen unserer zukünftigen Arbeit nachzudenken und zu entscheiden. Denn es wartet eine große Zahl von Themen auf uns, über die wir gründlich debattieren möchten und für die wir also mehr Zeit benötigen.

Ein aktuelles Thema wäre z.B. die schwierige Situation der jugendlichen Migranten auf dem Ausbildungssektor. Sogar Bundeskanzlerin Merkel sprach vor einigen Tagen von Diskriminierung bei Bewerbungen junger Migranten und hat das Thema auf dem Integrationsgipfel in Berlin am gestrigen Montag persönlich zur Sprache gebracht. Auch die neueste Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt, dass gute Bildungspolitik die beste Integrationspolitik ist und zusätzliche Bildungsinvestitionen sich finanziell für den Staat lohnen. Auch Flüchtlinge, die auf absehbare Zeit nicht in ihr Heimatland zurückkehren können, sollten schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden.

Das Gespräch darüber im Integrationsrat braucht aber eine sorgfältige inhaltliche Vorbereitung und eine schriftliche Vorlage, statt es spontan aus dem Bauch heraus zu beraten. Der Integrationsrat führt ja trotz des Engagements seiner bisherigen Mitglieder ein Schattendasein in der Kommunalpolitik, weil er nur über geringe verbindliche Zuständigkeiten verfügt im Vergleich zu einem Fachausschuss. Seinen eher schwachen Rang in der Landesverfassung Nordrhein-Westfalens können wir natürlich in Lippstadt nicht ändern, sondern lediglich versuchen, die unbefriedigende Situation durch lebendige und kompetente Debatten und Aktivitäten auszugleichen. Das könnte dazu führen, dass sich mehr Neubürgerinnen und Neubürger politisch engagieren als sie das bisher tun. Besser wäre es natürlich, sie würden sich direkt in politischen Parteien und Bürgerinitiativen engagieren als den Umweg über den Integrationsrat zu wählen.

Nun gibt es den Integrationsrat aber und wir sollten aus ihm ein lebendiges demokratisches Organ machen, das bei den Zuwanderern ein größeres Ansehen genießt als bisher, damit sie auch demnächst in größerer Zahl zur Wahl gehen. Deshalb verdient unsere Initiative im Integrationsrat nicht so sehr die heftige emotionale Kritik eines langjährigen Ratsmitgliedes, sondern eher Ermutigung und eine gewisse Nachdenklichkeit.
Aus diesem Grund hätten wir uns eine ausgewogene Berichterstattung in der Tagespresse, bei der beide Seiten zu Wort kommen, gewünscht.“


Weitere Informationen zur Wahl und zur Zusammensetzung des Integrationsrates:
http://www.lippstadt.de/buergerservice/statistik_wahlen/wahlen/Integrationsratswahl_2014.pdf

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Ein Gedanke zu “Eine ernste Sache: Integration in Lippstadt

  1. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen und willkommen.
    Die nächste Integrationsrat Sitzung findet am Donnerstag, den 11.12.2014, ab 18.00 Uhr im Rathaussaal, Lange Straße 14, 59555 Lippstadt, statt.

    Tagesordnung:
    Thema Asylbewerber und Flüchtlinge in der Stadt Lippstadt

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