09.02.2015: drittes Eine-Welt-Treffen Lippstadt 2

Dritte und letzte Mahnwache: „Wir sind eine Welt“ auf dem Rathausplatz

09.02.2015: drittes Eine-Welt-Treffen Lippstadt 2 Etwa 40 Bürgerinnen und Bürger haben sich am Montagabend, den 09.02.2015 zum dritten Wir-sind-eine-Welt-Treffen auf dem Rathausplatz versammelt.

Was vor zwei Wochen als schweigende Mahnwache begann endete mit zwei bewegenden Reden Lippstädter Bürgerinnen.

Pfarrerin Frauke Wehrmann-Plaga:

„Mein Name ist Frauke Wehrmann-Plaga, ich bin Lippstädter Bürgerin und Mitglied der Evangelischen Kirche. Der Terrorakt in Paris und rechtsextremistische Gewalttaten erfüllen mich mit großem Mitgefühl für die Opfer und ernster Sorge um die Zukunft unseres Miteinanders.

Darum ist diese Mahnwache hier in Lippstadt aus meiner Sicht ein großes Hoffnungszeichen! Euch beiden mutigen und lebensklugen Frauen Hilla Kremers und Barbara Epping bin ich zutiefst dankbar für eure Initiative! Denn ihr Beiden zeigt uns: Es ist möglich, etwas zu tun. Auch der kleinste Schritt auf den anderen zu kann Mauern überwinden!

09.02.2015: drittes Eine-Welt-Treffen Lippstadt 1Bei manchen Menschen haben sich in den letzten Wochen die Angst und Unsicherheit gegenüber Menschen anderer Kulturen verstärkt. Aber mit Rückzug oder Abschottung reagieren ist das falsche Zeichen und schürt nur verhängnisvolle Vorurteile. Diese Mahnwache will ermutigen, auf Menschen zuzugehen, die als neu oder fremd in Lippstadt wahrgenommen werden. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft können Angst überwinden. Die Mahnwache ist als ein stilles Zeichen gedacht, und nun ist es ermutigend zu beobachten, wie viele einander noch unbekannte Leute hier die Gelegenheit zum Gespräch nutzen, trotz Regen oder Kälte!

Wir alle stehen hier als Lippstädter Bürgerinnen und Bürger für die Grundwerte der Demokratie Freiheit, Gleichheit und Solidarität. Die unter uns, die einer Religion angehören, müssen sich dieser aber nicht schämen, denn die Religionen Judentum, Christentum und Islam sind in ihren Schriften von einer grundlegenden Friedenstradition geprägt. Diese Traditionen möchten und müssen aber von uns allen gewürdigt und gelebt werden! Jesus wies nachdrücklich darauf hin, dass der Unfriede und der Hass im Menschen selbst entsteht, wenn wir beginnen, andere zu beurteilen, abzuwerten oder gar auszugrenzen. Also nicht nur Toleranz, auch Respekt gegenüber jedem Menschen und dessen Grundrechten ist erste Bedingung für Frieden in Lippstadt, in Deutschland, Europa und weltweit.

Seit 22 Jahren gibt es in Lippstadt das Friedensgebet der Religionen Islam, Christentum und Judentum, für das auch ich mich eingesetzt habe. Dialog bzw. Trialog ist nicht immer einfach. Aber alle Bürger_innen, die sich an diesem Dialog der Religionen beteiligen, können bezeugen, dass dieser Dialog auch in Zeiten politischer Krisen weiterträgt.
Eine dieser Bürgerinnen, die Muslima Aynur Aykan Boz, wird gleich das Wort ergreifen.
Ich bedanke mich für Ihr Zuhören!“

Aynur Aykan Boz:

09.02.2015: drittes Eine-Welt-Treffen Lippstadt 3„Ich Als Muslima lehne jegliche Art von Gewalt ab. Sie ist nicht mit meiner Religion und meiner gesellschaftlichen Einstellungen vereinbar. Leider gibt es Einzeltäter, die extremistische Ansichten haben. Ihre Handlungen kann man nicht auf alle Muslime beziehen. Denn ein gläubiger Muslim darf zugleich kein Terrorist sein. Es ist bitterlich zu sehen, dass auf der einen Seite die Extremisten und auf der anderen Seite die wachsende Islamfeindlichkeit gibt. Man mag sich darüber diskutieren, sich streiten oder sich sogar gerichtlich auseinandersetzen, ob der Islam in der Presse richtig dargestellt wird. Niemals jedoch darf das Leben eines Menschen wegen seines Glaubens oder seiner Meinung angetastet werden!!

Bismillahirrahmanirrahim.

Mit dem Namen Allahs, des Barmherzigen, des Gnädigen.

So beginnt jedes unserer Gebete. Wir richten diese Gebete an Allah, auf dass er uns auf den geraden, auf den rechten Weg führe. Auf den Weg derer, denen er Gnade erwiesen hat. Nicht den Weg derer, die irregehen. Es quält unser Herz und unser Gewissen, wenn Menschen den Namen unseres Schöpfers missbrauchend morden, während wir Vergebung, Rechtleitung und die Gnade Allahs erbitten.

Wir beten an Allah mit seinen Attributen:

  • As-Salaam: er ist selbst der Friede, und er ist der Verleiher des Friedens.
  • Al-Mumin: der Verleiher der Sicherheit.
  • Al-Muhaimin: der Beschützer und Bewacher. Nur bei ihm findet der Mensch wirklichen Schutz.
  • Al-Chaliq: der Schöpfer. Den Leben erschaffenen.

Unserem Glaubensbekenntnis nach, hat niemand das Recht, an Stelle Allahs zu handeln, geschweige denn über das Leben anderer zu richten. Wir Muslime glauben und leben nach diesen Überzeugungen. Wir müssen jedoch miterleben, dass es Menschen gibt, die die Offenbarung Allahs und das Wesen des Islam als Religion des Friedens nicht erkennen. Es ist jetzt wichtig, gemeinsam unsere freiheitlichen Werte zu verteidigen und Flagge gegen Terror und Gewalt zu zeigen.

Jetzt lade ich Sie zu einer Schweigeminute ein. Somit sollen wir an Opfer in Frankreich aber auch überall auf der Welt denken..
Danke“.

Anschließend bedankten sich Hilla Kremers und Barbara Epping für die engagierten Worte und schlossen ihre Initiative damit ab. Sie riefen anschließend dazu auf, sich aktiv an Lippstädter Friedensprojekten zu beteiligen.

–> Nachruf von Barbara Epping

3 Gedanken zu “Dritte und letzte Mahnwache: „Wir sind eine Welt“ auf dem Rathausplatz

  1. Hat dies auf Hilla Kremers Fotoblog rebloggt und kommentierte:
    Danke Frauke und danke Aynur Aykan für Eure bewegenden Worte und danke allen für die positive Resonnanz. In Deinem Sinne,Frauke, auch der kleinste Schritt auf den anderen zu kann Mauern überwinden.

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