Ausstellung Septimus Header

ab 05.11.2016: „Dämmerung“ im Kunstturm

  • Kunst im Turm: Eröffnung 05.11. 2016, 19 Uhr
  • 06.11. 2016 Ausstellungsgespräch bürgerlich – nautisch- astronomisch
    Gespräch über „Kunst in der Dämmerung“
    Moderation: Dr. Hermann Ühlein, Kunsthistoriker
  • Öffnungszeiten: 6.,11.,12.,13.,19.,20. November 16 – 20 Uhr

„Dämmerung“ heißt das Thema, mit dem sich in diesem Jahr Künstler der Künstlergruppe Septimus – Elisabeth Fellermann, Lore Liebelt und Ralf Saadhoff – auseinandergesetzt haben. Gastkünstler in diesem Jahr ist Bernhard Urban.

Für Elisabeth Fellermann ist Dämmerung ein Zustand des Ungewissen, des Kommens, des Gehens, Aufgang und Abgang des Tages. Sie zeigt Installationen und Grafik.
Ihre Installation Ungewiss besteht aus fragilen Gebilden aus Draht und heller Gaze, die an Häuser erinnern. Haus als Rückzugsort und Schutzraum. Die haarartigen Gebilde der Installation haben den Halt verloren. Sie sind durchscheinend und fragil. Spärlich beleuchtet bilden sie an der Wand grafische Schattengespinste. Alles ist im Wandel, alles möglich in der Dämmerung: Ist es Aufgang oder Abgang, Werden oder Vergehen? Gibt es Gewissheit?

„what will you do in the dawn?“ betitelt Lore Liebelt ihre beiden großformatigen Bilder, „Was tust du, wenn es dunkel wird?“ Das eine zeigt die Farbigkeit eines sich verdunkelnden Himmels, Herbstdämmerung, eingefügt das Bild einer abendlichen Landstraße, erhellt nur von den Scheinwerfern eines entgegenkommenden Autos. Ein schwarzer Hund fixiert den Betrachter frontal.
„what will you do in the dawn?“ heißt aber auch, „Was tust du, wenn es hell wird?“ Eine Frau geht der Morgendämmerung entgegen, ein paar Hunde verschwinden gerade in Häuserschluchten.
Dämmerung wird verstanden als ein Übergangszustand, in dem Grenzen verschwinden, Unsicherheiten und Ängste sich ausbreiten, jedoch auch Hoffnung und Zuversicht entstehen.
Gedichte wie „From dusk till dawn“, “ Es wird Zeit“ oder „Fata Morgana“ setzen sich mit dem Prozess des Verdämmerns auseinander, zugleich aber auch mit dem Aufdämmern. Die Gedichte bilden eine lyrische Erweiterung des Bildwerks, stehen aber auch für sich.

Ralf Saadhoffs Beitrag zu „Dämmerung“ besteht aus: „verloren“, 5 Bildtafeln je 80 x 60 cm, FotodruckSelbstportrait mit Textbeitrag aus Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.“ In der 5er Serie verblasst das Selbstportrait Schritt für Schritt bis zur Unkenntlichkeit, ebenso verblassen sukzessive die Textteile. Der Künstler will hiermit anzeigen, dass eine kognitive Veränderung vor sich geht, bis hin zur möglichen Demenz – sich also in der Wahrnehmung des Umfeldes in einem Dämmerungs-Zustand befindet.
„Baum der Erkenntnis“, 2 Bildtafeln übereinander, als Metapher der Titel der Arbeit (Genesis, Kapitel 2), behandelt der Künstler das Böse in der Gesellschaft, in unserem aller Dasein. Das Gute ist verblasst, das Böse nimmt überhand – es ist schockierend und nicht akzeptabel. Nicht nur eine Verrohung in der Sprache, sondern auch in handgreiflichen Auseinandersetzungen prägen die Gegenwart. Dumpfe, sich in der Masse der rechten Gesinnungsgenossen bahnende Fremdenfeindlichkeiten prägen den Alltag. Die Arbeit auf der Basis von Zitaten erstellt, zeigt in aller Deutlichkeit die Verrohung in Teilen der Gesellschaft und Politik. Der stilisierte Baum mit seinen „Früchten“ ist ein Abbild einer maroden, verabscheuungswürdigen Gesellschaft, denen es in Teilen an Hilfsbereitschaft und moralisch-ethischer Sicht völlig fehlt. Die gesellschaftspolitische Veränderung kommt einer unheilvollen Dämmerung nahe.

Der Gastkünstler Bernhard Urban fertigt aus Upcycling-Collagen faszinierende Einzelstücke mit Licht- und Schatteneffekten, Gebilde, die sich in ihrem eigenen Rhythmus bewegen, die strahlen und leuchten und in ihrer geheimnisvollen Eigenartigkeit von der leidenschaftlichen Detailverliebtheit und dem handwerklichen Geschick ihres Schöpfers zeugen.

(Quelle: Dorothea Feldkamp, Vorstandsmitglied „Kunst im Turm e.V. Lippstadt“)