Septimus Kunstturm

04.-29.11.2017: Tri tra trullala im Kunstturm

Die Künstlergruppe Septimus dokumentiert unter dem Titel „tri tra trullala“ im Kunstturm die alltägliche Absurdität des Seins. Vier unterschiedliche Perspektiven auf die skurrile Welt, in der wir leben, in Malerei, Grafik, Objekten, Installation mit Elisabeth Fellermann, Lisa Grygier, Lore Liebelt und Ralf Saadhoff. Klangbegleitung : Stan Pete. Eröffnung: 4.11.2017, 19:00 Uhr.

elisabeth-fellermann-wirr-alleElisabeth Fellermann: Wirr Alle

„Wirr Alle“ heißt die Installation von Elisabeth Fellermann. Figuren aus Draht und Folie in transparenter Farbigkeit sind zu einem Übereinander, Nebeneinander und Gegeneinander arrangiert. Die Figuren haben kleine Körper mit überdimensionierten Köpfen. In Größe und Form sind sie fast identisch. Hauptsächlicher Unterschied ist die Mimik – von Verzweiflung, Erstaunen und Häme ist hier alles zu finden.
Die Klammer der Installation bilden große, überdimensionierte Hände. Mit unterschiedlichen Gesten heben sie das bloße Nebeneinander der Figuren auf. Drohen, zeigen, denunzieren oder abgrenzen – Fellermanns „Wirr Alle“ braucht keine Worte.

Elisabeth Grygier: Im Kasperletheater

Tri tra trullala der Kasper der ist wieder da – und hat schlechte Laune. Normalerweise ist er immer lustig und in seinem Theater bringt er zum Schluss die Dinge wieder in Ordnung. Nun aber kann er mit den anderen Spielfiguren nicht mehr viel anfangen. Sein Theater brennt und es sieht so aus, als konnte er nur noch einige von ihnen retten. Die Wirklichkeit hat seine Welt zerstört.

Lore Liebelt

In Lore Liebelts Installation sitzt ein kleines Mädchen auf einem Kinderstühlchen vor einer großen Leinwand wie vor einem Puppentheater. Durch eine riesige Schutzbrille hindurch schaut es mit aufgerissenem Mund auf die dargestellte Weltkugel vor dem schwarzen Universum. Sein weißer Stuhl schwebt dort auf dem Kopf, während es selbst winzig klein im All wirbelt. Die dargestellte Theaterszene zeigt die Welt als Spielbühne sowie das Kind als Publikum,
und was es sieht, scheint anders als ein Puppenspiel. Die Mädchenfigur, erkennbar aus Papiermaché geformt, blickt gebannt und erschrocken zur „Bühne“ hoch, auf eine schrundige, scheinbar chaotische Erdoberfläche, unseren „Blauen Planeten“. Schaut man genauer auf die mit grauweißen Schlieren bedeckte Leinwand, erkennt man schemenhafte Figuren, kriegerisch anmutende Menschengruppen, auch fliehende Menschen, die sich aus dem Formenwirrwarr abzeichnen. Was sich auf der Erde, in unserer Realität tut kann oftmals nur staunend, auch erschrocken, ungläubig zur Kenntnis genommen werden. Tri tra trullala. Zum Zuschauer degradiert bleibt uns oft nur Unverständnis und die Angst, wie ein Astronaut im All zu schweben, die Nabelschnur zur Erde gekappt.

ralf-saadhoff-drohnenflugRalf Saadhoff

Ausgangspunkt für die diesjährige Arbeit war der Wunsch, einmal die globalen, politischen Gegebenheiten beiseite zu schieben, quasi in der künstlerischen Bearbeitung dieser Themen eine Auszeit zu nehmen. Dieses Vorhaben ist in Gänze gescheitert! Nicht das kindliche Spiel wurde zum Maßstab der diesjährigen Arbeiten, sondern die täglichen unerträglichen Nachrichten über die politische Klasse der Regierenden auf unserem Globus.

Sei es nun Wladimir Putin in seinem innenpolitischen wie außenpolitischen Agieren, Xi Jinping in seiner stillen Art die Menschenrechtsfrage in seinem Land zu unterminieren oder ein Donald Trump, der durch immer neue Peinlichkeiten die Weltordnung zu verändern sucht. Die Liste der schrecklichen Potentaten ließe sich fortführen bis hin zu den allgemein vertretenen Populisten bei uns im Lande. Als Zyniker in weltpolitischen Fragen ist das „tri tra trullala“ fast zwingend gegeben. Zwei Installationen und eine Bilderreihe sind sein diesjähriger Beitrag.

  1. Kasperle Donald: eine Figur, ausgestaltet mit den typischen Hand-Finger-Bewegungen und einem geschrumpften Kopf
  2. Drohnenflu(g)ch: eine Installation mit insgesamt 20 Drohnen, die ihr Haus verlassen um die Welt zu verändern
  3. Nachmittag eines Faun: Bilderserie, die einen Moment in der Natur abbildet in 20 Sequenzen, untermauert mit einem Poem.

Stan Pete

Der Klangkünstler Peter Schwieger, Künstlername Stan Pete, ist u. a. Mitglied des Ensemble Freie Musik Bielefeld und beschäftigt sich seit 2006 mit improvisierter Musik.

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