Eduard Bargheer im Evangelischen Krankenhaus Lippstadt

Ab 07.12.2017: Eduard Bargheer in der Galerie im Rathaus

Vom 07.12.2017 bis zum 27.1.2018 werde in der Galerie im Rathaus Werke von Eduard Bargheer (1901 –  1979) ausgestellt. Sie stammen aus der Sammlung von Dr. Gisbert König aus Lippstadt. In der Ausstellung sind zahlreiche Aquarelle, Lithographien und Radierungen des Künstlers aus den 50er bis 70er Jahren zu sehen. Die Eröffnung findet am 7.12.2017 um 19.30 statt.

Dr. König: „Eduard Bargheer musste zunächst sein Examen als Lehrer machen – so hatte es sein als Vormund eingesetzter älterer Bruder bestimmt. Seine eigenen Pläne gingen in eine andere Richtung: Er wollte freischaffender Künstler werden und ist es auch geworden.

Von dem Verkauf eines ersten Bildes (ein Portrait) konnte er sich einen Anzug und eine Reise nach Paris leisten. Weitere Studienreisen unternahm er nach West-, Süd- und Nordeuropa, später auch nach Griechenland und Nordafrika.

Er hat sich der spätexpressionistischen Hamburger Sezession angeschlossen, die sich 1933 selbst auflöste, um einem Verbot zuvorzukommen. 1939 kehrt Bargheer Deutschland den Rücken und übersiedelt nach Forio d‘Ischia. Erst 1950 betritt er wieder deutschen Boden und seit 1953 wohnt er im Sommer in Ischia und im Winter in Blankenese. 1955 und 1959 nimmt er an der Weltkunstausstellung „dokumenta“ in Kassel teil.

Gemeinhin heißt es „Kunst kommt von Können“ – dagegen hat Bargheer heftig protestiert:
Gekonnte Kunst mag gefallen, aber ihr fehlt die geistige Tiefe. Kunst, die nicht aus dem Schauen entsteht, sondern nur auf technischem Können beruht, ist das Gegenteil von Kunst: tote Kunst. Ein Künstler, der nicht offen ist für neue Eindrücke und Entwicklungen, desavouiert sich selbst.

Bargheer war, um ein Dada-Gedicht von Arp zu zitieren, ein „Seh-mann“. Er nimmt unendlich viele Augen-Blicke in sich auf, um sie später zusammen mit den bereits verinnerlichten Augen-Blicken zusammenzufügen. Gelernt hat er also durch genaues Hinsehen und die Beobachtung seiner künstlerischen Verarbeitungsprozesse. Hierbei war ihm die Kommunikation mit Künstlerfreunden wie Rudolf Levy, Hans Purrmann und Werner Gilles wichtig. In seiner eigenen Arbeit geht es ihm um die Durchdringung und die Konzentration auf die wesentlichen Bildelemente und ihre harmonisch-spannungsvollen bis dissonanten Beziehungen zueinander.

In Forio gilt seine Aufmerksamkeit dem „Gewebe“ von Himmel, Meer und Erde mit ihren vielfachen statischen und dynamischen Beziehungen untereinander – ein Gewebe, das sich ebenso aus Wind und Regen wie aus der Mauer eines Weinberges bilden kann, um meditative Anschauung und Versenkung. Bargheer spornt Betrachter zu einem vergleichbaren Akt an: Will das Werk in seiner Tiefe erschlossen werden, ist aktive Anschauung statt gleichgültiger Wahrnehmung geradezu gefordert. Dann ist ein dynamisches Geben und Nehmen zwischen Künstler und Betrachter – über Zeit und Raum hinweg – möglich.

Es gibt für Bargheer nicht „den Gegenstand“, sondern immer die unendliche Vielfalt der Aspekte – der Gegenstand bleibt wider- und im wörtlichen Sinne „gegen-ständlich“: im Abendlicht ist er ein anderer als im Morgenlicht , je nach Perspektive und Blickwinkel ergibt sich ein völlig anderes Bild und jeweils einen neuen, anderen Bildzusammenhang. So gibt es nicht „die“ südliche Stadt, sondern die zahlreiche Variationen der südlichen Stadt, anders als Radierung, anders als Farbradierung und wieder anders als Lithographie oder Aquarell. Bargheer war es wichtig, nicht bei einer inneren Vorstellung von einem Bild stehen zu bleiben. Ihm war bewusst, dass es immer zahllose andere Bilder vorstellbar sind, die noch auf eine Realisierung warten.“